MEDIKATION: WENIGER HEISST NICHT BESSER.

Wenn Medikamente zur Herausforderung werden: PIM und Polymedikation im Blick behalten

Dieser Beitrag bildet den Auftakt unserer Serie für Hausärztinnen und Hausärzte. In den folgenden Ausgaben beleuchten wir einzelne Aspekte von potenziell inadäquater Medikation und Polymedikation – mit Blick auf die hausärztliche Praxis, die Versorgungsqualität und die Anforderungen in Managed-Care-Modellen.

Die wichtigsten Kernpunkte

  • Polymedikation ist nicht automatisch problematisch: Auch die gleichzeitige Einnahme mehrerer Medikamente kann bei chronischen Erkrankungen sinnvoll und notwendig sein.
  • Nicht nur die Anzahl zählt: Entscheidend ist, ob jedes Medikament weiterhin indiziert, wirksam, sicher und auf die aktuelle Situation sowie die persönlichen Ziele abgestimmt ist.
  • PIM weisen auf einen möglichen Prüfbedarf hin und erfordern eine individuelle klinische Beurteilung: Potenziell inadäquate Medikamente können im Alter mit einem veränderten Nutzen-Risiko-Verhältnis verbunden sein. Diagnose, Begleiterkrankungen, Nieren- und Leberfunktion, Dosierung, Therapiedauer und weitere Medikamente müssen mitberücksichtigt werden.
  • PIM-Listen sind Entscheidungshilfen: PRISCUS 2.0 und andere Instrumente unterstützen die strukturierte Prüfung, ersetzen aber weder die klinische Beurteilung noch die gemeinsame Therapieentscheidung.
  • Unterversorgung darf nicht übersehen werden: Die Sensibilität für PIM darf nicht dazu führen, dass relevante Diagnosen unzureichend behandelt oder notwendige Medikamente nicht eingesetzt werden.
  • Eine vollständige Medikationsliste ist zentral: Eine vollständige und mit der Patientin oder dem Patienten abgeglichene Medikationsliste ist eine wichtige Grundlage für die Medikationssicherheit. Dazu gehören auch Bedarfsmedikamente, Selbstmedikation, frei verkäufliche Präparate, Vitamine und pflanzliche Produkte.
  • Medikationssicherheit ist Teamarbeit: Hausarztpraxis, Spezialistinnen und Spezialisten, Apotheke, Pflege, Patientinnen und Patienten sowie Angehörige sollten eng und verlässlich zusammenarbeiten.
  • Das Ziel ist eine passende Therapie: Nicht möglichst wenige Medikamente sind entscheidend, sondern die richtige Medikation zur richtigen Zeit für die richtige Person – wirksam, sicher und verständlich.

Der ausführliche Beitrag vertieft unter anderem die Themen Verschreibungskaskaden, Deprescribing und strukturierte Medikationsüberprüfungen und enthält konkrete Fragen für die hausärztliche Praxis.

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